Gemeinsam statt Einsam
Ein Blick über die Klostermauer in Walsrode
Mitten in der Stadt Walsrode gelegen und doch innerhalb der Mauern von einer wohltuenden Ruhe umgeben, erkundeten die LandFrauen Neuenkirchen das kulturelle Kleinod Kloster Walsrode. Es bildet den Ursprung der heutigen Stadt Walsrode, ist das älteste der sechs Lüneburger Klöster und blickt auf eine über 1000-jährige wechselvolle Historie zurück. Am Tor empfing die Besucherinnen die Äbtissin Frau Dr. Eva von Westerholt, die die Geschicke dieses Hauses im sozialen und geschäftlichen Bereich seit 2020 führt.
Gegründet als Kanonissinnenstift, wurde das Kloster im Zuge der Reformation in ein Evangelisches Damenstift umgewandelt, in dem adelige alleinstehende Frauen ein standesgemäßes und selbstbestimmtes Leben mit Bildung und Kultur führen konnten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts engagierten sich die Bewohnerinnen in sozialen Belangen der Stadt, gründeten eine Armenschule, errichteten das erste Krankenhaus und einen Vorläufer unserer Kindergärten.
Heute bietet das Kloster eine christliche und zukunftsorientierte Lebensform für Frauen, die noch berufstätig sind oder ihre Berufstätigkeit beendet haben. Der Bogen zwischen einer christlichen Gemeinschaft und Selbstbestimmung bietet Geborgenheit sowie ein Leben mit sinnstiftenden Aufgaben. Die Bewohnerinnen übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft, pflegen Traditionen, vermitteln und gestalten das kulturelle Erbe und nehmen soziale Aufgaben in der Stadt wahr. Dieses Engagement wird sie auch in der Zukunft auszeichnen.
Im Jahr 1482 brannten große Teile des Stifts durch einen Blitzschlag nieder. Die sehr wertvollen spätgotischen Kapellenfenster stammen aus dem Wiederaufbau. Sie zählen zu den Besten ihrer Art in Norddeutschland. Ab 1528 begann durch die Reformation die Konversion zum lutherischen Glauben gegen den Widerstand von Konvent und Äbtissin. Die Klöster wurden enteignet, blieben jedoch als christliche Lebensform für Frauen erhalten. Mehr als 250 Jahre waren die zehn Klosterstellen in Walsrode ausschließlich adeligen Frauen vorbehalten. Für die Äbtissin galt der Adelsvorbehalt bis 1980.
Kunsthistorisch beachtenswert ist der Remter, dessen Gestaltung von Kaiser Wilhelm II. geprägt und gefördert wurde. Dort finden sich auch die Portraits von Äbtissinnen seit dem 19. Jahrhundert. Heutzutage wird der Raum als Standesamt und für Kulturveranstaltungen genutzt.
Das Kloster Walsrode unterliegt nicht dem Kirchenrecht. Es ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts unter der Rechtsaufsicht des Landes Niedersachsen. Diese wird durch die Präsidentin der Klosterkammer ausgeübt. Die betriebswirtschaftliche Geschäftsführung des Klosters obliegt der Äbtissin.
Seit 2020 sind Tore und Innenräumlichkeiten täglich geöffnet, auch ohne Führung, und laden zu diversen Veranstaltungen ein. Kloster Walsrode zählt zudem zu den Außerschulischen Lernorten im Heidekreis, arbeitet also mit Schulen des Kreises zusammen.
Im idyllischen Park begegnete den LandFrauen unter anderem eine Skulptur „In Bewegung“ des Neuenkirchener Bildhauers Hawoli. Der Besuch in einem nahegelegenen Café rundete diesen informativen Nachmittag ab.
Martina Rosebrock
